Libertärer Tresen goes „Fest der Nachbarn“*innen

Am 29.05.2015 gibt*s mal zur Abwechslung einen etwas anderen Libertären Tresen – und zwar im Rahmen des Festes der Nachbarn in der Studierendenmeile / Große Scharrnstraße. Groß und Klein erwartet eine Menge Spiel, Spaß, Musik und Unterhaltung mit folgendem Ablauf:

16:00 Uhr – Begrüßung, Open Stage, menschliches Schubkarrenrennen, Spielstraße für Kinder, Kaffee & Kuchen, Papierschöpf-Workshop

TresenStudimeile ab 18 Uhr – Vortrag im Medienkomplex: „Die Arbeitsgesellschaft ohne Arbeit: Karl Marx und Friedrich Engels Thesen auf dem Prüfstand“

ab 19:00 Uhr Live & outdoor: Ari (female fronted one-man-band)

ab 19:45 Uhr Live & outdoor: wird noch angekündigt (tba)

ab 20:30 Uhr Live & outdoor Dampf in allen Gassen (sozialrevolutionärer Patchwork-Punk)

ca. 21:30: Abschlussfeuershow mit Pascal & Theresa

Während der gesamten Veranstaltungsdauer werdet ihr euch an Infoständen informieren können. Für alkoholfreien sowie alkoholischen Getränkeausschank ist natürlich auch gesorgt. 🙂

Der Ort ist ein anderer, die Regeln bleiben die selben: Bei unseren Veranstaltung ist kein Platz für Diskriminierung, das heißt das Rassismus, Sexismus, Nationalismus, Homophobie und alle anderen Formen vorverurteilender Ausgrenzung und Abwertung von Menschen an diesem Nachmittag / Abend in der Studimeile kein Raum eingeräumt wird!

An der Befreiuung Arbeiten – Aufruf zur Demonstration anlässlich des 70. Jahrestages der Kapitulation der Wehrmacht

Am 08.05.2015 jährt sich der Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus durch die militärische Intervention der Alliierten Streitkräfte zum 70. Mal. Für uns ein Tag zum Feiern – aber auch zum Erinnern und Resümieren.

Das beinahe flächendeckende Wiedererstarken nationalsozialistischer Strukturen zeigt: Faschistisches und nationalistisches Gedankengut ist in unserer Gesellschaft immer noch präsent und macht einen dem entgegenstehenden und bewusst antifaschistischen Gesellschaftskonsens nach wie vor zwingend notwendig. Neonazis nehmen sich den erneut offen zu Tage tretenden, unverhohlenen Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft zum Anlass, sich mit ihrer menschenfeindlichen Ideologie erneut in selbiger zu positionieren.

Wir stellen keine Forderungen an den deutschen Staat, der sich dennoch immer wieder das Recht heraus nimmt, antifaschistisches Handeln zu kriminalisieren. Auf die Intervention eines Staates, der sich seit 1945 in aller Konsequenz einer nennenswerten Aufarbeitung der eigenen Geschichte entzieht und dem rassistischen Bürger statt dessen noch Futter liefert, vertrauen wir ebensowenig.

Unsere Forderungen richten sich an die aktuell hier lebende Bevölkerung. Denn diese trägt die Verantwortung, in welcher Gesellschaft wir heute leben. Auch hier in Frankfurt (O.). Ob rassistische Übergriffe, brennende Asylbewerber*inneheime oder Übergriffe von Neonazis. Wer wegschaut stimmt zu!

Wir sind ein autonomes Bündnis politischer Gruppierungen, die sich für einen konsequenten Antifaschismus einsetzen und rufen zur breiten Beteiligung an unserer Demonstration auf. Die Auftaktkundgebung wird am sowjetischen Ehrenmal am Anger stattfinden.

Wer heute nicht mit uns feiert, hat verloren!

Flyer 8.

Smash Capitalism! – Anarchistischer Aufruf zu den Protesten gegen den G7-Gipfel & Mobilisierungsveranstaltungen in Brandenburg

Am 7. und 8. Juni 2015 findet der G7-Gipfel im Schloss Elmau in Bayern statt. Die „Gruppe der Sieben“ setzt sich aus den industriestärksten Nationen der Erde zusammen: den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Italien, Kanada, Großbritannien, Japan und Deutschland. Laut der Bundesregierung sollen die Schwerpunktthemen dieses Jahr Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik darstellen. Wir sind im Begriff, dieses Treffen mit einem massiven Protest zu stören.

Die G7…
Die Gruppe der Staats- und Regierungschef*innen entstand als „Erfindung“ des Weltwirtschaftsgipfels im Jahr 1975 als Reaktion auf den wirtschaftlichen Aufschwung europäischer Länder und Japans. Sie sollte eine festigende Allianz der wirtschaftlichen Spitzen der globalisierten Welt darstellen, in deren Atmosphäre über wichtige weltbetreffende Fragestellungen und Problematiken beraten werden konnte.
Die G7 ist keine gewählte Vertretung und somit rein rechtlich keine demokratisch legitime Organisation. Somit existiert keine formelle Grundlage, nur ein gemeinsames Treffen, bei welchem unter Ausschluss der Öffentlichkeit – ohne Sitzungsprotokolle – vertrauliche Abmachungen unter den Regierenden geschlossen werden.
Die G7 versteht sich als Weltvertretung, handelt jedoch selbst außerhalb ihres gegebenen Legitimationsrahmens. Das Gipfeltreffen ist ein Demonstration der kapitalistischen Macht, die sich die Staaten selbst gegeben haben und nach außen transportieren.

BB-MobiDer diesjährige Ausschluss Russlands aufgrund der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim soll eine symbolische Absage an undemokratische Methoden sein, wie sie die G7 selbst jedoch weltweit einsetzen. Tatsächlich geht es auf beiden Seiten um wirtschaftliche, geopolitische Interessen und Machtausdehnung. Die Definition von Menschenrechten und Demokratie ist den einzelnen Staatsorganen überlassen. Sei es bei der Abschottung an den Grenzen Europas und Nordamerikas, der Repression und Ausbeutung der Bevölkerung oder der Umweltzerstörung zu Gunsten des ökonomischen Fortschritts.

… und deren Umgang mit Protesten
Durch Massenproteste der letzten Jahre und Jahrzehnte ist es immer wieder gelungen, die Illegitimität des Zusammentreffens und seine dadurch resultierenden Folgen aufzuzeigen und dieses teilweise zu blockieren. Wir wollen an diese Erfolge anknüpfen und durch gezielte Aktionen den Gipfel soweit wie möglich stören. Hierbei lassen wir unsere Aktionsformen nicht in “gutes” und “böses” Handeln spalten. Dies beinhaltet auch, einen Schwerpunkt auf die gegenseitige Solidarität zu setzen um einen wirkungsvollen Protest zu erreichen.
Die Gipfeltreffen stehen in der Tradition, Gegenstimmen keinen Raum zu geben und jegliche Störung des repressiven „Friedens“ zu unterbinden. So wurden den Demonstrierenden zu jedem bisherigen Protest, auch schon in der Vorbereitungszeit, massive Verfolgung und Grundrechtsversagung zuteil. 2001 gipfelten diese Protestniederschlagungen in der Erschießung des Demonstranten Carlo Giuliani und der gewaltvollen Räumung der Días–Schule in Genua durch die Polizei. Carlos Vater äußerte sich nach Carlos Tod: „Mein Sohn ist ermordet worden und das war nicht eine Einzelperson, sondern der Staat.“
Auch wir sehen diese Angriffe klar als geplante und brutale Repression gegen unsere Proteste und unseren Widerstand. Der Gipfel ist ein Symbol für Ausbeutung, Autorität, Unterdrückung und Zerstörung. Wir appellieren mit unserem Protest aber nicht an den Staat bzw. an die G7, da wir staatliche Strukturen als Mittel zur Exklusion und autoritärer Unterdrückung ablehnen. Wir kämpfen nicht für eine bessere globale Politik, sondern für eine Dekonstruktion der auf wirtschaftlichen Interessen basierenden herrschenden Verhältnisse. Wir protestieren gegen die Machtausübung der G7 und die Folgen ihrer politischen Handlungen. Deshalb rufen wir zu den Protesten gegen den G7-Gipfel 2015 auf.

Gegen menschenverachtende Asylpolitik und Rassismus
Die Bilder aus Lampedusa, die uns 2014 erreichten, sind die Spitze eines größtenteils ignorierten Eisbergs. Im besten Falle „ignoriert“. Denn die aktive Grenzabschottung Europas und Nordamerikas ist kein Versehen oder eine Notlösung, sondern eine gewollte Ausgrenzung Geflüchteter. Krieg, Verfolgung, Folter und Hunger oder einfach nur die Sehnsucht nach einem besseren Leben bringt hunderttausende Menschen jedes Jahr dazu, aus ihrer Heimat in „westlich-demokratische“ Länder zu fliehen. Viele von ihnen werden jedoch schon vor den Grenzen wieder von Organisationen wie z.B. Frontex mit sogenannten „Push-back“-Aktionen abgedrängt. Diejenigen, die es schaffen, Fuß in einem Gebiet zu fassen, werden mit Gesetzen schikaniert. Dazu gehören, besonders in Bayern, wo die G7-Staaten sich treffen, die Residenzpflicht, das Betätigungsverbot und die Lagerpflicht.
Dies ist unter anderem zurückzuführen auf eine nationalistische Verwertungslogik der bestehenden Staaten. Es wird in nützlich und unnütz getrennt. Gibt es eine internationale Öffnung, dann nur zu Gunsten von Effizienz- und Produktivitätssteigerung, nicht für meist mittellose Geflüchtete. Daher ist es nicht verwunderlich, dass rassistische Hetze wie z.B. die von „Pegida“ bei vielen Politiker*innen auf Verständnis und nicht auf Empörung stößt. Besonders industriestarken und „entwickelten“ Nationen, wie sie in den G7 vertreten sind, ist jedes Mittel recht, ihre Festung zu verteidigen.
Dazu kommt ein rassistischer Grundkonsens, der, nicht nur in Deutschland, Tradition hat.
Mit der jüngsten Mordserie an neun migrantisch-stämmigen Menschen und einer Polizistin durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), zeigte sich durch die einseitigen Ermittlungen, wie stark die Behörden in Ressentiments denken. Unter anderem wurde jahrelang gegen Angehörige der Ermordeten und Verletze des Keupstraßenanschlags ermittelt, obwohl die Betroffenen schon anfangs Neonazis hinter den Taten vermuteten. Grund hierfür ist ein institutioneller Rassismus und die Verstrickung der deutschen Behörden in die Naziszene. Auch durch den Münchner NSU-Prozess werden diese Strukturen nicht offengelegt, von staatlicher Seite besteht hierfür auch kein Bedarf.
Rassistische Denkweisen sind in allen G7-Ländern keine Randerscheinungen, sondern auch Mittel zur nationalen Erhaltung.
Unser Ziel ist eine Welt ohne Grenzen und ohne Barrieren, die mit Gewalt verteidigt werden und ein solidarisches Miteinander aufhalten. Wir sehen in den G7 ein Symbol für Abschottungspolitik und Privilegienvorherrschaft, gegen die wir uns entschieden stellen.

Gegen Ausbeutung und Unterdrückung
Als Wirtschaftsgipfel gegründet, sind die Schwerpunkte des Treffens interne und vertrauliche Abstimmungen ökonomischer Interessen. Abmachungen, die zwischen den Industrienationen getroffen werden, sollen später Gültigkeit für den Rest der Welt erhalten. Möglich ist dies durch die wirtschaftliche Stärke der Mitgliedsstaaten, in denen 68 der 100 größten Konzerne ihren Sitz haben. Die G7 sind Hauptakteure – und Profiteure – der sogenannten Globalisierung, jenes wirtschaftlichen und sozialen Verdrängungskampfes, der nach dem Ende des “kalten Krieges” weltweit eingesetzt hat.
Hauptaugenmerk allen Fortschritts ist die ökonomische Produktivität. Individualität ist Leistung untergeordnet, um auch eine möglichst konforme Gesellschaft zu konstruieren. Unsere Freiheit misst sich jedoch nicht an ihrer Effizienz.
Es gilt die Devise „Fight the game, face the players!“. Verantwortlich für kapitalistische Unterdrückungsmechanismen sind nicht die einzelnen G7-Staaten und ihre Regierungschef*innen.
Sie reproduzieren jedoch die einstudieren Vorgänge der Leistungsgesellschaft und erheben Sanktionen gegen diejenigen, welche sich nicht an die Gesetze des unumstritten herrschenden Kapitals halten oder halten können.
Wir bekämpfen die G7 als Symbol des Kapitalismus und der Intension, Menschen Kapitalidealen unterzuordnen. Die Interessengemeinschaft fördert ein konkurrierendes, repressives Gegeneinander der Menschen in und außerhalb der G7-Staaten. Vor allem ist dies erkennbar im Umgang mit sogenannten „Entwicklungsländern“, in denen „billige Arbeitskräfte“ und Ressourcen zum Wohle der „westlich-zivilisierten“ Welt ausgebeutet werden und somit eine Kontrolle erzeugen. Solche neokolonialistischen Ansätze schüren die Machtpositionen und Monopolstellungen der Wohlstandsnationen wie z.B. Deutschland.
Es geht uns um mehr als nur eine bessere Verteilung der Produktionsmittel. Wir sind für ein ganz anderes Ganzes, in dem nicht Leistung um der Leistung willen, sondern ein solidarisches Miteinander auf freiwilliger Basis entscheidend ist. Diese Solidarität kann nicht durch aufgezwungene transnationale Verbindungen oder Finanzausgleiche, sondern nur durch die gemeinsame Dekonstruktion von Staat, Nation und Kapital entstehen.

Gegen die Rüstungspolitik der G7
Circa 30 Milliarden Euro gibt die deutsche Regierung im Jahr für Rüstung aus: Deutschland ist ein Exportweltmeister der Waffenindustrie und steht mit an der Spitze der G7-Staaten. Diese haben insgesamt ein Jahresbudget von über 900 Milliarden Dollar für Kriegsgerät und Militärs. Vieles von diesem Geld fließt in sogenannte „Friedenseinsätze“, die zur Stabilisierung von Kriegs- und Krisengebieten beitragen sollen. Diese Interventionen dienen angeblich der Demokratisierung der Welt, sind jedoch Stützen für ökonomische und politische Abhängigkeitsverhältnisse. Wie erfolgreich außerdem „Friedenseinsätze“ laufen, zeigt sich am Beispiel Afghanistans mit dem deutschen Bombardement der Zivilbevölkerung bei Kunduz im Jahr 2009.
Andere Einsätze wie zum Beispiel der (größtenteils US-amerikanische) „War on terror“ schüren Ressentiments und stärken damit ein nationalistisches, exklusives Gemeinschaftsgefühl.
Ebenso steht zumindest die Bundeswehr in Tradition der Wehrmacht und zelebriert deren Verbrechen öffentlich. Zum Beispiel finden sich im bayerischen Hinterland, wo auch der diesjährige Gipfel stattfindet, unzählige Dörfer, in denen rechte Traditionspflege in Form von geschichtsrevisionistischen Wehrmachtsgedenken an der Tagesordnung steht. Explizit in Mittenwald, keine zehn Kilometer von Schloss Elmau entfernt, feiern sich jedes Jahr alte und neue Nazis bei einem sogenannten Traditionstreffen.
Krieg militarisiert die Welt und die jeweilige Gesellschaft und schürt gezielt globale Konflikte um Ressourcen, Staatsgebiete und Machtverhältnisse. Westlicher „Frieden“ impliziert bewaffnete Konflikte anderswo.
Militär bedeutet für uns Unterdrückung, Folter und Mord als Mittel zur angeblichen Krisenbewältigung und Sicherung der „westlichen Freiheit“.
Staat heißt immer Militär und heißt immer Krieg. Lediglich gibt es zwischen den Kriegen Phasen des Friedens. Jeder Staat muss immer danach trachten stärker zu sein als andere Staaten. Er wird immer daraufhin arbeiten, seine wirtschaftlichen Interessen gegenüber anderen Staaten durchzusetzen. Sind die Umfeldparameter für die eigenen Interessen nicht ausreichend, wird er, wenn er dazu in der Lage ist und wenn auch als “spätes“ Mittel, seine Ziele militärisch durchsetzen. Auch wenn er sich dabei Allianzen mit anderen Staaten bedienen muss.

Gegen Umweltzerstörung
Selbstgesetztes Ziel der G7-Staaten ist der nachhaltige Schutz der Umwelt.
Innerhalb der einzelnen sieben Länder ist dies jedoch ein utopischer Vorsatz.
Während in Japan nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima Wasser, Luft, Boden und Nahrungsmittel in der land- und meerseitigen Umgebung des Atomkraftwerkes Fukushima I kontaminiert sind, ignorieren die politischen Spitzen der G7 die verheerenden Folgen, welche Nuklearenergie schafft. Die Lösung des Problems bringt nicht die geplante „Energiewende“ der Bundesregierung, da dies letztendlich nur zur Fremdbeschaffung der Atomkraft führt (z.B. von Frankreich). Die Risiken, welche von Atomkraftwerken ausgehen, sind dystopischen Ausmaßes. Trotzdem werden sie von Staatsregierungen mit Geldern in Millionenhöhe gefördert.
Ebenso verhält es sich mit dem Stein- und Braunkohleabbau, der nicht nur Böden und Landschaften und mit ihnen auch den Existenzrahmen der dort ansässigen Lebewesen zerstört, sondern auch Zwangsenteignungen von Grundstücken zur Flächennutzung mit sich bringt.
Insgesamt spielen auch weltweite Monokulturen meist großer Konzerne mit ein. Natürliche Vegetationen und geschützte Flächen werden wirtschaftlich orientiert durch einseitigen Anbau abgenutzt und zur ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit mit Pestiziden behandelt, die nicht nur der Erde, sondern auch den Menschen, die in unmittelbarer Nähe wohnen oder damit arbeiten müssen, schaden. Vor allem in südlichen Ländern, beispielsweise in Lateinamerika, sind ganze Dörfer von den Folgen der giftigen Düngemittel, entwickelt von Firmen wie Bayer oder Monsanto im Auftrag des Staates, durch enorme gesundheitliche Schädigungen beeinträchtigt. Auch in der Nutzung der Umwelt und ihrer natürlichen Ressourcen ist Effizienz das Essenzielle. Ein Beispiel hierfür ist auch die Genmanipulation von Lebensmitteln, die nicht absehbare Risiken bergen. Ein nachhaltiger Umgang mit der Erde ist Grundlage des lebensbejahenden Freiheitskampfes und aller späteren Existenz, auch der befreiten solidarischen Gesellschaft. Die Umweltzerstörung der Herrschenden, ist die Negation unserer Zukunft.
Die Scheinheiligkeit der G7-Staaten beim Thema Umweltschutz zeigt sich zuletzt bei der Wahl des Tagungsortes 2015 im ökologisch sensiblen Werdenfelserland. Für die tatsächlichen zwei Tage der Besprechungen bedarf es massiver Eingriffe in das Naturschutzgebiet rund um Schloss Elmau. Es müssen mehrere Straßen und Hubschrauberlandeflächen gebaut sowie diverse Leitungen und Ersatzleitungen verlegt werden.

Gegen den Staat
Als Anarchist*innen sehen wir den Staat als patriarchalen überwachenden Unterdrückungsmechanismus, der bestehende Hierarchien durch beispielsweise Gesetzgebung und Institutionen nicht beseitigt, sondern im Gegenteil festigt und reproduziert. Rühmen sich auch die G7-Staaten, demokratisch und modern zu agieren, so sind doch die Menschen in den Nationen, welche sich nicht hierarchiebejahend unterordnen, Zielscheiben von Repression und Entrechtung. Grenzen dienen zur Ab- und Ausgrenzung der „Anderen“. Stolz auf die Nation zu sein, heißt, ein Land mit allen seinen historischen Kapiteln, sozialen wie politischen Verhältnissen, Verdrängungen und überlieferten Normen zu zelebrieren. Dies bedeutet in Anbetracht der herrschenden Ordnung ein Ignorieren, Umdeuten oder Gutheißen von rassistischen Normalzuständen, Heteronormativität, Sexismus, Patriarchat, Sozialchauvinismus, Leistungsdruck und anderen menschenverachtenden Freiheitsberaubungen. Die Wege der Nation zur „Stabilisierung“ der Ökonomie führen zu einer gewollt ungerechten Verteilung zu Gunsten der Autoritäten.

Der Protest gegen G7 ist gleichzeitig der Protest gegen Staat, Nation und Kapital. Staaten egal welcher Ausprägung sind immer Institutionen zur Sicherung der Machterhaltung privilegierter Gruppen. Kapitalistische Staaten, ebenfalls egal welcher Ausprägung, unterstützen, sichern und schützen zudem das Kapital.

Was wir wollen
Die Liste dessen, was wir ablehnen, ist lang. Wir könnten an dieser Stelle noch viele weitere Punkte aufführen. Ebenso umfangreich ist die Fülle unserer Vorstellungen, Ideen und Ziele, weswegen wir uns in diesem Aufruf auf wenige zentrale Punkte beschränkt haben:
Als Anarchist*innen eint uns das Ziel, eine solidarische, respektvolle, gewalt- und herrschaftsfreie, also eine emanzipatorische Gesellschaft aufzubauen. Ein solches Vorhaben ist in den herrschenden Verhältnissen nicht ohne weiteres möglich, da im Kapitalismus nicht die Bedürfnisse aller Menschen, sondern einzig eine nach Profitmaximierung ausgerichtete Verwertung aller Lebensbereiche im Vordergrund stehen.
Um einer befreiten Gesellschaft näher zu kommen, müssen wir uns mit alltäglichen Herrschaftsverhältnissen und Unterdrückungsmechanismen kritisch auseinandersetzen und sie letztlich als Ganzes überwinden. Dabei bleiben wir nicht bei der Forderung nach weniger Arbeit, uneingeschränktem Bleiberecht, billigem Wohnraum oder kostenloser Bildung stehen, sondern fordern den materiellen, kulturellen und sozialen Reichtum für alle.
Einem Leben wie wir es uns wünschen, in Selbstbestimmung und Solidarität, muss ein von Gleichberechtigung und Respekt geprägter Umgang zugrunde liegen. Sicherlich ist es noch ein sehr langer Weg bis dorthin, aber wir tragen unsere Vorstellungen und Hoffnungen mit uns.
Um unseren Zielen Schritt für Schritt näher zu kommen, bauen wir bereits im Hier und Jetzt alternative Strukturen auf, treten Missständen auf vielfältige Art und Weise entgegen und erlernen, ohne Ellenbogenverhalten oder Mehrheitsentscheide, sondern im Konsens unsere Entscheidungen zu treffen.
Um die vorhandenen Hierarchien und Unterdrückungsmechanismen überwinden zu können, müssen wir sie und unsere eigene Rolle dabei erkennen, reflektieren und jeden Tag aufs Neue hinterfragen. Wir wollen die Hierarchien bekämpfen, die Menschen in einer Gesellschaft nach Macht und Nicht-Macht, in höhere und niedere Statusgruppen einteilen.
Hierzu ist es nötig aktiv zu werden.
Unseren Protest werden wir an den Aktionen rund um den G7-Gipfel in die Öffentlichkeit tragen, denn dies ist nicht das Ende der Geschichte!

Kommt und beteiligt Euch zahlreich an den Aktionen gegen den G7-Gipfel, das Symbol für Unterdrückung und Ausbeutung!

Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen und Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr

G7: Kapital // Nation // Herrschaft – Eine anarchistische Kritik am Treffen der Großmächte

Am 07. und 08. Juni 2015 findet der sogenannte G7 – Gipfel, vor dem Ausschluss Russlands auch als G8 – Gipfel bekannt, im bayerischen Schloss Elmau nahe Garmisch-Partenkirchen statt. Das Treffen der westlichen Wirtschaftsmächte, zu denen Deutschland, Japan, USA, Großbritannien, Italien, Frankreich und Kanada gehören, findet nach dem G8 – Gipfel 2007 in Heiligendamm damit erneut auf deutschem Staatsgebiet statt. Einmal mehr verwandelt sich ein Gebiet für eine Woche in eine militärische Festung, kontrolliert von Bundeswehr und Polizei, nur damit sich die Bilderbuchstaaten eines lebensfeindlichen Kapitalismus treffen können, um ihre ausbeuterische Politik voranzutreiben.

Einmal mehr treffen sich die Vertreter*Innen der weltgrößten Waffenlieferanten-, Kriegstreiber-, Imperialisten- und Ausbeuterstaaten. Schloss Elmau und Umgebung wird sich in diesen Tagen zu einem Ort verwandeln, an dem jeglicher Protest versucht wird, im Keim zu ersticken. Selbstverständlich dürfen bei solch einem Einsatz schweres Kriegsgerät wie Panzer oder Kampfhubschrauber nicht fehlen, um diese selbsternannte Expert*innenrunde vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. Globaler Kapitalismus löst keine, sondern schafft Probleme!

Wir wollen den 23. Mai nutzen. Nutzen um Alternativen jenseits von Staat & Kapital aufzuzeigen und euch für herrschaftsfreie Gesellschaftsalternativen zu sensibilisieren. Wir laden euch ein zu Vorträgen von Dr. Bernhard Brosius (Ein Jahrtausend ohne Herrschaft: Von Cayönü nach Catal Hüyük) und der Libertären Aktion Frankfurt (Oder) (Solidarische Ökonomie, Syndikalismus & anarchistischer Föderalismus – Eine Reise in eine utopische Gesellschaft) sowie einer kapitalismuskritischen Lesung mit Hanna Poddig und einem Vertreter des Crimethinc-Kollektivs, welche das Buch “Message in a Bottle” vorstellen werden. Die passende Mobilisierungsveranstaltung zu den Protesten bei Schloss Elmau findet am 08. Mai 2015 im Kontaktladen des Utopia e.V. statt.

Am Donnerstag, den 07.05.2015, findet die passende Mobiveranstaltung um 19 Uhr im Kontaktladen des Utopia e.V. statt.

 

Plakat

3. Anarchistische Buchmesse Mannheim

Editorial

3. Anarchistische Buchmesse Mannheim
24. bis 26. April 2015

Info*s
Programm

„Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)“

Wie 2011 und 2013 wird es in Mannheim wieder eine anarchistische Buchmesse geben. Die aktuelle Situation in der Welt zeigt, dass Alternativen zu Krieg, Kapitalismus und anderen autoritären Systemen dringend nötig sind. Der Anarchismus mit seinem herrschaftsfreien Anspruch kann diese Alternativen bieten.

Unserer Überzeugung nach ist der Anarchismus die vielversprechendste Alternative zum gegenwärtigen kapitalistisch-parlamentarischen Gesellschaftssystem, da sich der Staatskommunismus bzw. -sozialismus auch nicht als erstrebenswert erwiesen hat.

Die Buchmesse soll dazu beitragen, ein vielseitiges anarchistisches kulturelles Leben aufzubauen. Dabei soll sowohl die bestehende anarchistische Bewegung weiter vernetzt, als auch der Anarchismus in der Rhein-neckar-Region breiter verankert werden. Das libertäre Literaturangebot umfasst heute nicht nur die “Klassiker”. Gerade die kleineren Verlage tragen zu einer großen Bandbreite an Autor_innen und Themen bei.

Mit dieser Buchmesse möchten wir diesen Verlagen und deren Autor_innen wieder die Möglichkeit geben, sich vorzustellen. Sie soll aber auch Interesse an der Anarchie wecken und den gedanklichen Austausch zwischen den Teilnehmer_innen fördern. Der Erfolg und Zuspruch unserer letzten beiden Buchmessen motiviert uns, dieses Projekt ein weiteres Mal anzupacken. Darüber hinaus freuen wir uns sehr, dass im Oktober 2014 eine weitere Buchmesse im deutschsprachigen Raum stattfand – nach der “Anarchist Bookfair” in Biel und der “Limesse” im Ruhrgebiet gibt es nun auch die “Radical Bookfair” in Hamburg.

Zahlreiche Autor_innenlesungen und ein künstlerisches Rahmenprogramm werden die Buchmesse begleiten. Für Vorschläge und Angebote sind wir offen. Der Eintritt ist natürlich frei. Wir als Veranstalter_innen verfolgen kein kommerzielles Interesse.

Da wir die gleichen Räumlichkeiten wie bei den letzten Malen nutzen, ist auch 2015 wieder alles barrierefrei erreichbar. Wegbeschreibungen und Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten erfahrt Ihr bald auf dieser Seite.

Projektbericht der Filmvorstellungen von Mietrebellen am 04. & 05.03.2015

Am 04.03.2015 wurde der Film „Mietrebellen – Widerstand gegen den Ausverkauf der Stadt“ dass erste mal in Frankfurt (Oder) gezeigt, nachdem er im letzten Jahr beispielsweise auf dem „Oboa-Festival“ in Gorgast (Oderbruch) gastierte. In Anwesenheit des Produzenten Matthias Coers, welcher freundlicherweise im Beisein beider Veranstaltungen interessante Diskussionsinputs gab und die Geschehnisse in Berlin relativ leicht erklären konnte, wurde der Film in Verbindung mit unserer Diskussionsgrundlage zur Stadtentwicklung in Frankfurt (Oder) gezeigt. Im Café „Brot & Zucker“ waren an diesem Abend ca. 20 Personen anwesend, darunter Studierende, Kommunalpolitiker*innen, vor allem jüngere Menschen aus Frankfurt (Oder), aber auch ein paar ältere Frankfurter*innen. Es entstanden interessante Diskussionen, aber letztendlich war klar, dass sich eine übergreifende Bewegung aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die sich wie am Beispiel Berlins für das Recht auf Stadt einsetzt, in Frankfurt (O.) nicht erzeugen ließe – dazu würden beispielsweise die Mietsteigerungen, die in Berlin explosionsartig ausfallen, in Frankfurt (O.) zu moderat steigen.

Ein weiteres Mal wurde der Film am 05.03.2015 im Kontaktladen des Utopia e.V. gezeigt, wo ebenso eine anregende Diskussion entstand, jedoch bei etwas weniger Publikum als am Tag zuvor. Diesmal waren hauptsächlich Studierende fortgeschrittenen Semesters anwesend.

Die Diskussionen haben gezeigt, dass unsere Diskussionsgrundlage sehr gut ankam. Das bewegt uns in Zukunft dazu, diese auch an Flugblättern in der Stadt und am Campus der Universität Viadrina zu verteilen um die in Frankfurt lebenden, arbeitenden und studierenden Menschen dazu anzuregen, aktiv an der Gestaltung und den Geschehnissen in Frankfurt (Oder)-Slubice teilzunehmen.

Wir danken für die freundliche, finanzielle Unterstützung durch den Asta der Universität Viadrina.

Anarchistische Kampagne und Mobilisierung rund um den G7 Gipfel 2015

Am 7. und 8. Juni 2015 treffen sich im oberbayerischen Schloss Elmau die Staats- und Regierungschefs der sogenannten „G7-Staaten“. Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA-IFA) einschließlich der Libertären Aktion Frankfurt (Oder) und die Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr (AFRR) organisieren gemeinsam mit Aktivist*innen aus Bayern und weiteren anarchistischen Gruppen eine Kampagne zu diesem Thema. Geplant sind eine Gaidao-Sonderausgabe mit Texten der beteiligten Gruppen, ein anarchistischer Block auf der Großdemonstration am 6. Juni in Garmisch-Patenkirchen, Info- und Mobilisierungsveranstaltungen sowie ein eigener Bereich auf dem Protestcamp.

In den nächsten Wochen und Monaten findet ihr hier weitere Informationen, Mobimaterial, Radiobeiträge, uvm.

Termine

27. März, 19 Uhr – Nürnberg
Mobivortrag , Projekt 31, Nürnberg
Weitere Infos

31. März, 19 Uhr – Dortmund, mit Küfa
Mobivortrag im Nordpol
Weitere Infos

02. April, 20 Uhr – Bochum, mit Küfa
Mobivortrag im Sozialen Zentrum
Weitere Infos

17. April, 19:00 Uhr – Essen. mit Küfa
Mobivortrag im Groundzero
Weitere Infos

22. April, 19 Uhr – Mülheim
Mobivortrag im AZ Mülheim
Weitere Infos

23. April – Ludwigsburg
Mobivortrag im DemoZ
Weitere Infos

25. April, 19 Uhr – Krefeld mit Küfa
Mobivortrag im 35 Blumen
Weitere Infos

03. Mai, ab 11 Uhr – im AZ Mülheim
G7 – Aktionstag zur Vorbereitung auf die G7 Proteste
Weitere Infos

14. Mai, 19 Uh – Duisburg mit Küfa
Mobivortrag im Syntopia
Weitere Infos

23 Mai – Frankfurt Oder
Aktionstag: G7 Kapital, Nation, Herrschaft – Eine Anarchistische Kritik an den Großmächten
Weitere Infos

20. Juni – im AZ Mülheim
Afterwork Soliparty Ruhrgebiet
Weitere Infos

Bericht zum (Anarcha)feministischen Aktionstag der Libertären Aktion Frankfurt (Oder) am 07.03.2015 im Rahmen des Weltfrauenkampftages mit anschließender Party in den Frauenkampftag

+++Ausstellung+++Vorträge+++Workshop+++Party+++

Mit einer Party im verbuendungshaus fforst wurde der internationale Frauenkampftag 2015 eingeleitet. Dem voran stand ein ereignisreicher Tag. Mit einer Ausstellung und einem Vortrag wurde dem Lebenswerk der Anarchistin und Mitbegründerin Anarcha-feministischer Positionen, Emma Goldman, gedacht. Ein weiterer Vortrag der Gruppe „e*spaces“ aus Dresden beschäftigte sich mit der Kritik an dem Begriff der Definitionsmacht und lud zur Diskussion ein. Ein Stencil-workshop bot die Möglichkeit, sich praktisch zu betätigen.

Gegen 14 Uhr erklang Musik der 20er Jahre in der Großen Scharnstraße in Frankfurt (Oder). Das Trio, bestehend aus Kontrabass, Violine und Gitarre, lud Anwesende und Passant*innen zur Ausstellung „Emma Goldmann: Anarchistin, Revolutionärin-Feministin“ ein.

Gegen 14.30 wurde die Ausstellung mit einer kurzen Rede und Sektempfang eröffnet. Dem folgte ein Vortrag über das Leben und Wirken Emma Goldmans. Bei weiterem Sekt und veganen Häppchen verweilten die Anwesenden und schauten sich die Ausstellung an, welche im Laufe des Tages von vielen interessierten Menschen bis 19.00 Uhr besucht wurde. Um 18 Uhr traf schließlich das Abendessen in Form einer Couscous-Gemüse-Pfanne ein.

17 Uhr begann der Vortrag der Gruppe „e*spaces“ aus Dresden. Diese beschäftigten sich mit der Frage der Auslegung von Definitionsmacht und ihren Auswirkungen. Welche weiteren Möglichkeiten bestehen in einer emanzipatorischen Gesellschaft zur Klärung von (sexuellen) Grenzüberschreitungen? Dabei wurden viele Fragen aufgeworfen und es bestand Raum zur Diskussion, welche im Anschluss in Zweiergesprächen vertieft wurde. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es nicht darum ging, Definitionsmacht zu verneinen, sondern eine kritische Auseinandersetzung damit anzuregen, um zu einer besseren Praxis zu gelangen.

20 Uhr begann dann die Party unter dem Motto „If I can´t dance, it’s not my revolution“ im verbuendungshaus fforst. Den Anfang machte zur Freude aller wieder das Eingangs beschriebene Trio. Danach betrat „Bahati“ aus Berlin die Bühne und setzte sich mit Themen wie Sexismus im HipHop in Form von „Digital Poetry“ auseinander, eine Stilrichtung, die aus dem Genre des Spoken Word stammt. Den Abschluss bildete Djane Frenzy aus FFO, die den Übergang in den beginnenden Frauenkampftag einläutete und ihn dann auch zu einem feuchtfröhlichen Morgen machte.

Mit der Ausstellung und den Vorträgen wurden auch Menschen außerhalb der Bewegung erreicht. Neue Kontakte konnten so geknüpft werden und wir waren in der Mitte der Stadt sichtbar.

Bedanken möchten wir uns bei den Musiker*innen, dem verbuendungshaus fforst e.V., dem Studierendenmeilen e.V. und allen Helfer*innen, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20.März von Montag – Freitag im Medienkomplex auf der Großen Scharnstraße, jeweils von 15.00 – 18.00 Uhr, geöffnet.

Libertärer Tresen + Vortrag und Diskussion mit Peter Nowak: „Gentrifizierung und Widerstand“

Am 26.03. findet wie an jedem letzten Freitag des Monats der Libertäre Tresen im Backdoor statt. Losgehen wird es ab 20:00 Uhr mit einem Vortrag und anschließender Diskussion von Peter Nowak, einem Redakteur, der beispielsweise für die Jungle World und das Neue Deutschland schreibt. Wir laden euch herzlich ein, zum Thema „Gentrifizierung und Widerstand“ ins Gespräch zu kommen:

Gentrifizierung – dieses Wort wurde in den letzten Jahren bei vielen Menschen, die nicht zu den Hochbegüterten zählen, zu einem angstbesetzten Begriff. Er steht für die Aufwertung von Stadtteilen, die zu Mietsteigerungen und zur Vertreibung von einkommensschwachen Menschen führt. Längst ist davon auch die prekäre Mittelschicht betroffen, was auch ein Grund dafür ist, dass es der Gentrifizierungsdiskurs aus der Wissenschaft in die Medien und Talkshows der Republik geschafft hat. In der Veranstaltung wird der Journalist Peter Nowak http://peter-nowak-journalist.de/ auf die Grenzen dieser Debatte hinweisen.
Wer von Gentrifizierung spricht, darf von Kapitalismus nicht schweigen.

Die Aufwertung von Stadtteilen und die Vertreibung von einkommensschwachen Bevölkerungsteilen ist so alt wie der Kapitalismus, der Widerstand der betroffenen Mieter_innen ebenfalls. Nur wurde dieser Widerstand in der Geschichtsschreibung oft nicht erwähnt. Die heutige Mieter_innenbewegung und die Kämpfe gegen Zwangsräumungen, die seit einigen Jahren in verschiedenen Städten entstanden sind, stehen in dieser Traditionslinie. Dieser Widerstand richtet sich nicht nur gegen die Gentrifizierung, sondern auch gegen eine gezielte Verarmungspolitik, die in Deutschland Namen wie Hartz IV und Niedriglohnsektor trägt.

Im Anschluss gibt*s wie gewohnt Dosenmukke auf die Ohren und die Möglichkeit, bei Küfa und Bierchen an der Bar zu verweilen oder an unserem derzeit gut bestückten Infotisch zu stöbern.

Kein Platz für jedwede Diskriminierung. Das heißt, dass sexistisches, rassistisches, nationalistisches und in sonst einer Art und Weise abwertendes Verhalten nicht toleriert wird.

Diskussionsbeitrag: Stadtentwicklung

…anstelle eines Yachthafens [1], der für eine privilegierte Elite nutzbar ist und für den ein weiteres Stück grün in Frankfurt weichen musste, würde in der Lebuser Vorstadt ein Naturerholungszentrum entstehen, von dem jede*r profitiert. Natürlich ohne das umliegende Gebiet danach zu einer Gegend zu erklären, die im Nachhinein durch höheren Marktwert und Wohlfühlfaktor und damit verbunden steigenden Mieten wieder nur für einen privilegierten Teil der Bevölkerung bewohn- und deshalb direkt nutzbar ist. Nehmt auch den Bau eines Luxuseinkaufszentrums [2] an der Oderbrücke nicht einfach so hin, hinterfragt ihn. Birgt es vielleicht mehr Risiken, als dass es Nutzen bringen wird – bringt es die restlichen, übrig gebliebenen Einzelhandelsgeschäfte in der Magistrale in Gefahr? [3] Erhöhen im Konsumtaumel schwebende Menschen und das Abtauchen in eine vorübergehend zufriedenstellende Scheinwelt wirklich unsere Zufriedenheit? Würde nicht vielleicht die Umwandlung der Gegend um die Stadtbrücke in eine Kreativfläche, die für alle Menschen und Initiativen nutzbar ist, unsere Lebensqualität erhöhen? Oder eventuell doch ein internationaler Wochenmarkt mit frischem Obst und Gemüse und kulturellen Beiträgen?

Manchmal kommen wir um Abriss einfach nicht drum herum. Aber müssen deshalb halbe Stadtteile dem Erdboden gleichgemacht werden [4] und im gleichen Atemzuge die Innenstadt in einer Art und Weise aufgewertet werden, die die sozial schwächsten in unserer ohnehin von monetären Werten geprägten Gesellschaft einfach nicht mitdenkt, sondern ausschließt. [5] Eine Aufwertung, die auch zunehmend Einzelhändler*innen das Leben schwer macht, und die die Entwicklung in der Innenstadt mehr und mehr zahlungsstarken Privatinvestor*innen überlassen, die im Allgemeinen nicht nach der Meinung der Stadtbevölkerung fragen. [6] Wir denken, dass Lebensqualität in gemeinschaftlichem Handeln und Miteinander schneller wachsen kann – zu diesem Miteinander gehört auch das Mitdenken in irgendeiner Art und Weise sozial schwächer gestellter Menschen. Wie sonst sollte man geprägt von Existenzangst und Daseinszwängen eine Motivation dafür entwickeln, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen? In Frankfurt (O.), einem Ort, der im herrschenden System ohnehin viele berechtigterweise unzufriedene Menschen hervorbringt, ist diese Demotivation tagtäglich sichtbar. Diese äußert sich aber viel zu oft in offen zur Schau getragenem Rassismus und der Abwertung vermeintlich „anderer“ Menschen, um seine eigene, vermeintliche soziale Besserstellung aufgrund einer bestimmten Staatszugehörigkeit zu manifestieren. [7]

Das Lichtspieltheater der Jugend war ein kleiner Lichtblick. Viele Menschen aus Frankfurt (Oder), auch Menschen, die nicht unbedingt politische Ämter bekleiden, diskutierten zum Ende letzten Jahres lebhaft über die Zukunft des Lichtspieltheaters. Viele Ideen kamen zusammen, vom Café, über ein Retro-Kino bis hin zu einem Mehrgenerationenhaus war alles dabei. [8] Letztendlich wurde aber auch an der Diskussion dieses Objekts wieder sichtbar, dass eine starke Spaltung zwischen Menschen, die Politik machen und Menschen, für die vermeintlich Politik gemacht wird, existiert. Die Initiative um das Theater scheint noch nicht ganz eingeschlafen, jedoch scheint auch dieses Objekt wieder einmal zu einem Verwaltungsakt verkommen zu sein. [9] Könnte es anders laufen? Was wäre, wenn das Lichtspieltheater in die Hand der Stadt käme und diese die Gründung eines Bürger*innenkomitees anregen würde, das durch entsprechende Expert*innen unterstützt wird. Ein Komitee, das über die Zukunft des Lichtspieltheaters gemeinsam entscheidet. Schließlich gab es ja doch viele verschiedene Vorstellungen, was mit dem Lichtspieltheater geschehen könnte. Vor- und Nachteile aller Vorschläge sollten auch fernab von Profit- und Prestigeinteressen bewertet werden.

Lebensqualität wird nicht durch die verstärkte Durchsetzung von Kapitalinteressen erhöht. Ladet ALLE Nachbar*innen in euren Häusern und Straßen ein und schließt euch zu Straßengemeinschaften zusammen. Bestimmt selbst und gemeinsam, wie ihr euer näheres Lebensumfeld gestalten und verändern könnt. Vielleicht könnt ihr auch eure Häuser und Wohnungen als Hausvereine übernehmen – Lebensraum darf schließlich nicht länger eine Ware bleiben, die zu einem marktwirtschaftlichem Spekulationsobjekt verkommt. Wohnraum muss bezahlbar bleiben – auch für die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Ihr könntet eure Anliegen in die Stadtverordnetenversammlung tragen und verteidigen – mit Nachdruck und gemeinschaftlich. Wir wurden schließlich nicht dazu geboren, unser Leben von Stellvertreter*innen, zum Beispiel Wohnungsbaugesellschaften und Stadt, gestalten und verwalten zu lassen.

Unsere kleine Reise in die Utopie eines aus unserer Sicht für alle lebenswerteren Frankfurts kann im wahrsten Sinne sehr utopisch anmuten. Realistisch und nach (markt)wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, würden wir aber zu ähnlichen Schlüssen kommen: Mit mehr Mitbestimmung, Eigeninitiative und Selbstverwaltung einer Stadt von Bürger*innen für Bürger*innen kommt Frankfurt als Konsumstandort eine sekundäre Rolle zu – jedoch würden die Verwaltungskosten durch die Stadt in ebenso hohem Maße sinken. Was unser utopischer Ausflug nicht beantworten kann, ist die Frage, wie wir zu mehr Selbstbestimmung und Selbstverantwortung kommen. Wie wir von passiv verwalteten Bürger*innen zu aktiv handelnden Individuen werden, gesellschaftlicher Vereinzelung vorbeugen und eine merkliche Politikverdrossenheit in der Gesellschaft in selbstbestimmtes Handeln umwandeln. Wäre es nicht viel schöner, wenn wir unsere Nachbar*innen einfach an die Hand nehmen könnten, zufrieden vor unsere Haustür in eine bunte, vielfältige Stadt treten könnten, in der auch unsere eigenen Vorstellungen, unsere eigenen Fähigkeiten und unser eigenes Können Platz gefunden haben? Das Konzept „Wir im Quartier“ bietet bereits einen guten Ansatz für solcherlei Projekte, wobei es noch wesentlich ausbaufähiger ist und die Beteiligung noch stark erhöht werden könnte. Es wurden in den letzten Jahren unzählige Konzepte entworfen und verworfen (kein Komma) die Kaufkraft in Frankfurt (Oder) zu erhöhen, um damit auf einen Weg zu Glück und Wohlstand zu gelangen. Das Scheitern sämtlicher Konzepte liegt nicht nur an der Stadtverwaltung, sondern an der allgemein verbreiteten Gleichsetzung des Kapitals als unhinterfragbaren Heilsbringer oder übermächtige Gottheit, die den Menschen irgendwann schon auf den Weg in ein zufriedenes Leben geleiten wird.
Wir denken, es ist Zeit, einen anderen Weg zu gehen – unzählige Beispiele auch über Frankfurt (Oder) hinaus beweisen das.

[1]http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1319113
[2]http://www.moz.de/details/dg/0/1/1361617/
[3]http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1132965
[4]http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1018154
[5]http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/frankfurt-oder/artikel/29542.html
[6]http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1311289/
[7]http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/frankfurt-oder/artikel/30260/Altes+Kino+in+Licht+getaucht
[8]http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1311289/
[9]http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1344446/